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Kiel im Januar – Da der diesjährige Winter bis dato weder Eis noch Schnee brachte, dafür aber jede Menge Stürme, ist das Januarbild auch ein eher untypisches Winterbild. Aber was heißt heute schon untypisch? Wenn sich die Wetterlage so wie in den vergangenen Jahrzehnten (Ausnahme vergangenes Jahr) entwickelt, wird es wohl Mitte bis Ende Januar kalt und wird den –zumindest von mir- erhofften Schnee bringen. Solch graues Winterwetter ist dennoch ein gutes Beispiel dafür, dass Grau nicht langweilig sein muss. Oder anders ausgedrückt: bei Sturm lassen sich spannende Motive finden. Weit ab jeglicher Postkartenromantik bietet „dreckiges Wetter“ viel Spielraum für authentische Aufnahmen. Und authentischen Stress. Da stand ich also im Hagel, den die Schlechtwetterfront vor sich her schob, Kamera mit einem Handtuch gegen das Wetterunbill abgedeckt, hoffend das es für einen kurzen Augenblick nachlassen möge. Dann muss aber noch die Wolkenfront in der richtigen Position sein, mal wieder war Geduld und Glück gefragt. Gut, ein stabiles Stativ, das höhere Windstärken standhält ist fast noch wichtiger. Ich war also ununterbrochen damit beschäftigt, vor und nach jeder Aufnahme den Filter vor’m Objektiv sauber bzw. trocken zu reiben- Möglichst so, dass sich keine Schlieren bilden- die sieht man hinterher gnadenlos. Da hilft nur eins: mit möglichst wenigen Versuchen auskommen. In diesem Fall brauchte ich zwei; eine hellere und eine etwas dunklere Variante.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mmm. Belichtung: 4 Sekunden bei Blende 11. 0.6 ND Grauverlaufsfilter.

Kiel im Dezember –Ich muss ehrlich sagen, dass die Region um die Schlei eine der interessantesten Gegenden im schönen Schleswig Holstein ist. Hinter jeder Flussbiegung bietet die Schlei eine gänzlich andere Atmosphäre – ver-rückt sozusagen. Aus der Welt gefallen? Ein bisschen pathetisch, aber nicht unpassend, vor allem in der Weihnachtszeit. Kappeln ist da ein gutes Beispiel. Bei solchen Aufnahmen sind nicht die dunklen Bildpartien problematisch, sondern –wer hätte es gedacht- die hellen. Wie immer gilt: Hell und dunkel so zu belichten, das sie in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Mitunter schwierig, wenn’s aus kompletter Dunkelheit in das Restlicht des Sonnenuntergangs  geht. Und dann noch Straßenbeleuchtung dazwischen und die filigran beleuchteten Tannenbäume nicht zu vergessen. Schöne Bescherung.

Objektiv: 105mm, Belichtung: 1 Minute bei Blende 22, 0.6ND Grad.

tomkoerber – october opinion 2011

Kiel im Oktober – Die Sonne geht, der Wind kommt. Kurz und knackig ist damit der Herbst beschrieben. Gut, ein, zwei charmantere Nuancen hat der Herbst schon zu bieten – selten aber direkt am Wasser. Die Tage der Strandkörbe sind nun wirklich gezählt. Also, die Chance nutzen bevor der Strand gähnend leer ist, denn die Trutzburgen bilden einen ruhigen Gegenpol zu den ziehenden Wolken. Wie soll man Wind fotografieren? Es bleiben nur Wasser oder Wolken – zwei wichtige W’s. Hier also Wolken. Um tagsüber lange Belichtungszeiten zu realisieren braucht es „schweres Geschütz“, sprich einen Big Stopper, der die Zeit um das 10fache verlängert und einen starken Grauverlaufsfilter, damit bei 4 Minuten (plus eine genau auszurechnende Überbelichtung) der Himmel nicht „abraucht“.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 4 Minuten bei Blende 16.5. 0.9ND Grad + Big Stopper

Kiel im September – Wenn Bilder riechen würden, wäre dies das optimale Sujet. Sonnenaufgang an einem feuchten, leicht vernebelten Spätsommertag, natürlich, an der Kieler Förde. Das Wasser verströmt schweren süßen, dennoch leicht feuchten Geruch.  Algen, Seegras, Luftfeuchtigkeit erzählen von einer schwülen Nacht während die aufkommende Temperatur einen traumhaften Sommertag verkündet, der für mich kaum besser beginnen könnte. Der Geruch lässt Erinnerungen an viele Reisen hochkommen, viele Meere an denen ich morgens stand oder in denen ich schwamm. Erstaunlich, wie nuanciert als auch identisch die verschiedenen Weltmeere riechen, sei es Atlantik, Pazifik oder Ostsee. Ein weiterer, wenn auch nur subjektiv errochener, Beweis für Kiels Internationalität. Ach ja, kein Photoshop…

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 1/15tel Sekunde bei Blende 22. 0,6 ND Grad

Kiel im August – Über das Wetter jammern wäre so, als wenn man sich als Fischer darüber beschwert, dass das Wasser nass ist. Es ist schlichtweg zwecklos. Als Fotograf muss man sich dem Wetter anpassen und es –wenn nötig- aussitzen. Oder besser gesagt: Der Himmel macht die Landschaft. Bei der Aufnahme an der Eider im Süden Kiels wurde ich mehr als einmal nass bevor die Stimmung passte. Auf das richtige Licht warten ist Teil des Spiels – genauso wie schwere Rucksäcke schleppen. Bei solch starken Kontrasten im Himmel braucht es nur eine kleine „Aufmunterung“ durch den leichtesten aller Grauverlaufsfilter. Denn wenn das Licht stimmt müssen keine Regler mehr betätigt werden, damit das Bild nach was aussieht.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 1 Sekunde bei Blende 22. 0,3 ND Grad


Kiel im Juli – Während im vergangenen Newsletter nichtvorhandene Wolken ein Thema waren, sind es diesmal vorhandene. Aber dafür keine Sonne. Irgendwas stimmt ja meistens nicht. Der Angler wird bestimmt seine eigene Meinung zu diesem Thema haben. Aber der Herr ist nicht unser Thema. Auch nicht die entspannte, sonntägliche, morgendliche Stimmung. Ja, es stimmt, es geht auch ohne Espresso und ohne Sonne. Schon näher am Thema. Bilder ohne Sonne. Die funktionieren nur unter bestimmten Voraussetzungen: Ein strukturierter Himmel ist von Vorteil, blaue Tupfen sind noch besser – so wie hier das abziehende Sonnenloch. Eine spiegelnde Fläche öffnet das Bild nach oben und wirkt damit gegen die tiefen Wolken, die das Bild nach unten drücken. Die Belichtung ist in der Regel einfacher als bei sonnigen Bedingungen, da das neutrale Grau (18%) die Szenerie beherrscht. Trotzdem muss man auf die dunklen Partien Obacht geben, sonst rauschen die in den Keller. Da hilft dann auch keine Spiegelung mehr.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 1/2 Sekunde bei Blende 16. Kein Filter.

Kiel im Juni – Im Normalfall machen Wolken den Himmel erst interessant. So, so. Bedeutet dann der Umkehrschluss, dass ein Himmel ohne Wolken ein uninteressanteres Endprodukt liefert? Ich muss gestehen: oft. Leider kann man sich einen Himmel voller wilder Kumuluswolken zwar wünschen, aber oft spielt die Realität –besonders zu bestimmten Anlässen, wie hier zur Kieler Woche- ihr eigenes demütigendes Spielchen. Man muss nehmen was einem angeboten wird. Wenn der Himmel nicht mitspielt, dann hält halt der Boden her. Ein etwas tieferer Standpunkt lenkt den Betrachter vom trostlosen Himmel ab, impliziert durch den sich im Wind bewegenden Weizen tolle Segelbedingungen und schon hängt der Himmel voller Geigen. Es sei denn, man mag solche Bilder überhaupt nicht. Aber dann kann ich ihnen auch nicht helfen.

Fuji GX 617. Objektiv: 180mmm. Belichtung: 1/30 Sekunde bei Blende 22. 0,3ND Grad.

Kiel im Mai – Die aufwendigste Arbeit ist bereits geschehen, wenn man auf den Auslöser drückt. Idee, Vorbereitung und Umsetzung lautet das Motto. Wie schon im vergangenen Monat angesprochen braucht man eine solide Idee der Aufnahme (In diesem Fall musste ich mal nicht improvisieren). Nun folgt die konsequente Umsetzung seines Ursprungsgedanken: Jahreszeit, Wetter und Zeitpunkt. Das, im Sommer die Tage länger sind bestätigt sich hier auf ungnädigste Weise. Sonnenaufgang um fünf Uhr bedeutet um vier vor Ort sein und –noch fieser- um drei Uhr aufstehen. Aber was macht nicht alles, um das Foto vor dem inneren Auge Realität werden zu lassen. Die Steilküste zwischen Bülk und Marienfelde leuchtet nur wenige Minuten in diesen Farben. Der Sonnenstand kurz nach dem Aufgang über dem Horizont ist der beste Zeitpunkt für diese Aufnahme. Zwei Minuten später hat das Licht seine Intensität verloren. Das ist der Unterschied zwischen „taking and making“. Zwischen nehmen und machen. Zwischen fotografieren und knipsen. Die Belohnung: Espresso im Strander Hafen (nachdem man angemessen gewartet hat).

Fuji GX 617. Objektiv: 180mmm. Belichtung: 1 Sekunde bei Blende 22. 0,6ND Grad.

Kiel im April – Wie soll eine Aufnahme aussehen bzw. was soll enthalten sein? Eine gute Idee wäre es, sich vorher darüber Gedanken zu machen. So sähe es der Normalfall vor. Wenn man aber vor Ort in unvorhersehbare Situationen gerät, so wie hier in Friedrichsort, heißt das Zauberwort: Improvisieren. Nix mit Ruhe kurz vor Sonnenaufgang. Stattdessen ein Wagen der Stadtreinigung, der alle naselang stehenblieb, den Motor laufen ließ und weiterfuhr, um dann 20 Meter weiter die Prozedur zu wiederholen. Kurze Überlegung: Bis der Wagen aus dem Bild gefahren wäre, wäre das brauchbare Licht weg. Heißt: Den Wagen einbauen und dessen Scheinwerfer als Lichtquelle nützen. Eine fahrende Taschenlampe also. Die Leuchtspur eines Schiffes gibt’s gratis dazu. Wunderbar.

Fuji GX 617. Objektiv: 90mmm. Belichtung: 4 Minuten bei Blende 22. 0,3ND Grad.

Kiel im März – Licht ist wichtig. Ohne vernünftiges Licht wird selbst das spannendste Motiv zu einem lahmen Bild degradiert. Oder umgekehrt. Weiches, hartes direktes oder indirektes diffuses Licht, 5500 Kelvin am Mittag oder 2.000 Kelvin am Morgen und/oder Abend. Kaltes Neonlicht bei Nachtaufnahmen verhält sich anders als goldenes Licht beim Sonnenuntergang. Nuancen sind so fein und vielschichtig, dass es einer permanenten Veränderung unterworfen ist. Jede Aufnahme ist eine Symbiose, aus dem was die Natur anbietet und dem Input des Fotografen. Wenn alle Komponenten zusammenpassen präsentiert sich auch Kiel’s „Skyline“ auf internationalem Niveau. Nur einer von vielen Lichtblicken.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mmm. Belichtung: 1 Minute bei Blende 22. Filter: 0,3ND Grad.

Kiel im Februar – Lady Luck in Holtenau. Manchmal findet man sich als Fotograf in Situationen wieder, die man gar nicht vorhersehen kann. So geschehen bei diesem Motiv. Eigentlich war ich an der Schleuse um Nebelaufnahmen zu machen. Okay, machte ich auch. Aber. Nachdem ich mein Zeug schon im Auto verstaut hatte, blinzelte die Sonne durch allgemeine Nebel-Wolken-Gemisch. So schnell ich konnte sammelte ich mein Zeug wieder zusammen und rannte zurück an meinen ehemaligen Standpunkt. „Natürlich“ musste ich das Objektiv wechseln, Film einlegen, Filterhalter und Filter (ohne messen, da es schnell musste), Stativ aufbauen, Kamera rauf, Licht messen, Blende einstellen und Objektiv spannen. Ich schaffte gerade einmal zwei Aufnahmen, dann stellte die Sonne ihren Dienst wieder ein. Mein Glück währte nicht länger als fünf Minuten. Wenigstens die Aufnahme bleibt.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mmm. Belichtung: 1/4 Sekunde bei Blende 22. 0,3ND Grad.

Kiel im Januar – Guter Ausblick auf’s neue Jahr. Selbst im Alten Botanischen Garten. Das Knifflige an dieser Aufnahme ist der hohe Kontrastumfang. Während der Turm (zumindest auf der Sonnenseite) fröhlich in der Sonne rumsteht, bestehen die Bäume auf der rechten Seite und die Turmschattenseite überwiegend aus überflüssigem Schatten. Hinzu gesellen sich die Reflexe des Schnees und schon befindet man sich inmitten eines Belichtungsmarathons. Reflexe mindern, Schatten aufhellen, aber bitte schön den Himmel in vollem Blau. Da hilft zuerst mal ein Polfilter. Und den Mittelwert aus hellen und dunklen Passagen. Das passt meistens. Allerdings muss man beim Polfilter und Schnee immer überlichten… So einfach wie das Bild aussieht ist es dann doch nicht. Vor allem, wenn ich ewig auf zwei Leutchen warten muss, die das Bild erst komplett machen.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mmm. Belichtung: 1/4 Sekunde bei Blende 22. Polfilter.

Tom Körber - December Delight

Kiel im Dezember – Dies ist zwar kein klassisches Weihnachtsbild. Kein Baum, keine Lichterketten, keine Lebkuchen, kein Glühwein. Allenfalls eine weihnachtliche Lichtstimmung, mitsamt seiner eigenen Geschichte. Auch hier fehlen der Stall, drei Könige und besagtes Kind. Dafür gabt’s einen Jogger. Bei dieser Aufnahme stand ich auf dem Fußweg gegenüber der IHK. Natürlich mitten in der Mitte. Ein joggender Feierabendler kam den Kleinen Kiel entlang und lief Richtung Kamera. Ich dachte noch, der wird das Riesenstativ samt Kamera doch wohl sehen!? Falsch gedacht. Er rannte voll hinein. Ich bekam gerade noch das Stativ zu greifen, kurz bevor es auf dem Boden aufgeschlagen wäre. Nicht nur der Jogger joggte, anscheinend auch seine Gedanken. Er hatte meinen Aufbau komplett übersehen. Kann ja mal passieren… Erraten, das ist nicht die Originalaufnahme, sondern das Bild danach. Besagtes Bild sieht äußerst kreativ aus. Die zweite Anekdote: Die Batterie des Belichtungsmessers war leer. Und typischerweise hatte ich keinen Ersatz dabei, so musste ich die Belichtungszeit schätzen. Gut getroffen. Darauf einen Glühwein.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mmm. Belichtung: 45 Sekunden bei Blende 22. 0,3 ND Grad Filter.

Tom Körber - November Note

Kiel im November – Solche Belichtungssituationen fördern Magengeschwüre. Zumindest für Fotografen die das per Hand belichten. Aber auch Automatikjungs werden ihre Schwierigkeiten mit der automatischen Messung bekommen. Denn die arbeitet rational wie Computer nun mal arbeiten. Das heißt: viel dunkel, also viel belichten. Und zack, sind die hellen Feinheiten im dunklen Vordergrund weg sowie der komplette Hintergrund in der Sonne wäre ausgeblichen. Und die Sonne an sich? Also Gegenlicht. Auch das noch. Dann muss man unterbelichten. Aber nicht zuviel, denn sonst ist alles zu dunkel. Und alles geht von vorn los…

Fuji GX 617. Objektiv: 105mmm. Belichtung ½ Sekunde bei Blende 22. 1 Blende unterbelichtet. Kein Filter.

Tom Körber - October Opinion - Kiel Bülk, Sunrise

Kiel im Oktober – Dies ist ein ungeplantes Motiv. Passiert manchmal. Eher hatte ist es auf die Steilküste um die Ecke im Morgenlicht abgesehen. Es zahlt sich immer aus, frühzeitig vor Ort zu sein. Denn wenn das Licht da ist, will ich fotografieren und nicht anfangen, zu überlegen was ich wohl aufnehmen könnte. Solche ungeplanten Motive müssen trotzdem gut überlegt und schnell durchgeführt sein (damit noch Zeit für das eigentliche Motiv bleibt). Standort finden. Kamera aufbauen. Licht messen. Das Licht ändert sich permanent während des Belichtens. Gerade mal Zeit für zwei Aufnahmen. Eine passt. Weiter zum geplanten Motiv. Zwei neue Motive in drei verschiedenen Varianten. Insgesamt vier neue Aufnahmen. Danach Espresso im Hafen. Durchaus ein perfekter Tagesbeginn.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 2 Minuten bei Blende 22. 0,6ND Filter.

Tom Körber -September Session - Kiel. Leuchtturm Friedrichsort

Kiel im September – Was macht ein Fotograf wenn er auf den Aufgang des Vollmonds wartet? Fotografieren natürlich. Mein Faible für –vorsichtig ausgedrückt- längere Belichtungszeiten samt Bewegungsunschärfen, macht auch vor Schiffen nicht halt. Ganz im Gegenteil. Die lassen sich prima darstellen – richtiges Timing vorausgesetzt. Die Geschwindigkeit des Schiffes gehört ebenso dazu, wie den Beginn und das Ende der Leuchtstreifen. Damit einhergehend muss ich die Belichtungszeit schätzen (wie lange braucht das Schiff um einen bestimmten Weg zurückzulegen?) plus Blende, die ihrerseits die Schärfentiefe inkl. Belichtungszeit beeinflusst. Und das innerhalb von ca. 30 Sekunden. Sonst ist das Schiff weg. Looking & Learning. Und der Vollmond? Den nahm ich dann hinterher auf. Schwierigkeiten mit dem einzigen natürlichen Erdsatelliten stehen allerdings auf einem anderen Blatt bzw. Newsletter.

Fuji GX 617. Objektiv: 180mm. Belichtung: 15 Sek. bei Blende 22.

Tom Körber -Amazing August - Kiel. Rolex Baltic Week

Kiel im August – Entgegen der weitläufigen Meinung, dass man mit unhandlichen Panoramakameras nur „stehende Landschaften“ aufnehmen kann, können die behäbigen Dinger auch sportlich eingesetzt werden. Natürlich ohne Stativ. Was braucht man noch? Einen höherempfindlicheren Film, hier 400 ASA und eine ruhige Hand bzw. Körper, der das Schwanken des Bootes ausgleicht. Ein bisschen fummelig ist das Ausrechnen der Hyperfokaldistanz, also der Schärfenebene. Sich bewegende Motive haben die Angewohnheit sich zu bewegen. Mit anderen Worten: rein und raus aus dem scharfen Bereich. Aber hier hilft wie so oft Erfahrung. Und eine aufgeräumte Bildaufteilung. Das macht das Bild geometrischer.

Fuji GX 617. Objektiv: 180mm. Belichtung: 1/250 Sek. bei Blende 16.

Tom Körber - Juli Jibe - Kiel. Seebadeanstalt Düsternbrook

Kiel im Juli – Vor Ort zu sein ist nicht gleichbedeutend mit Glück haben. Vielmehr heißt es vorauszuahnen, was wann wo wie geschehen wird. Wenn einem das kapriziöse Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht. Wie so oft wird das Leben eines Fotografen vom „vor Ort sein“ zum Zeitpunkt des Sonnenauf- bzw. -untergangs (fast schon) dominiert. Die “Blue Hour” (blaue Stunde) wird zur photographischen “Happy Hour“. Diese Aufnahme ist eine Variante des Bildes, das ich in meinem Buch verwendete. Wenn man vor Ort gute Aufnahmebedingungen vorfindet sollte man sie so gut wie möglich ausnützen. Es sei denn, das Motiv gibt es nicht her. Dieses schon.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 3min. bei Blende 22.

Tom Körber - June Jewel - Kiel. Rapsblüte

Kiel im Juni – Auch wenn der Juni quasi der „Kieler Woche-Spezial-Monat“ ist, findet man gleichwohl noch andere sommerliche Highlihgts. Als da wären Erdbeeren, Spargel, Heuschnupfen, Wassertemperaturen über 12 Grad und aufgrund der Wetterlage ein bisschen nach hinten rausgeschoben: Raps. Jedes Jahr befällt Tausenden von Fotografen eine hektische Unruhe: Nur nicht den besten Zeitpunkt verpassen. Wo fahre ich hin? Ins Landesinnere? Ans Meer? Wo sind die besten Felder dieses Jahr? Nicht unbedingt einfacher wird die Bilderhatz, aufgrund der jährlich wechselnden Felder. Gelb scheint in diesem Fall der ansonsten wichtigsten Farbe Rot, den Rang abzulaufen. Zu dumm, dass viele Bäume an den Rapsrändern zu diesem Zeitpunkt noch nicht blühen. Daher die oft etwas blass und kränklich wirkenden „Baumgerippe“. Alles egal, Hauptsache Gelb.

Fuji GX 617. Objektiv: 180mm. Belichtung: 1/8 Sek. bei Blende 22. Schärfe bei 3 Meter.

Tom Körber - Magic May - Kiel. Laboe Skyline

Kiel im Mai – Spannende unverbrauchte Blickwinkel sind heute selten zu finden. Es sei denn, man geht mit offenen Augen durch die Landschaft oder wie eine Photographenregel besagt: „Get your boots on“. Laufen, gucken, laufen, stehenbleiben, gucken, weiterlaufen. Warten. Auf Licht. Auf den richtigen Augenblick. Ich würde mal sagen, dass man als Fotograf ¾ seiner Zeit mit derartigen Begebenheiten verbringt. Wenn man die richtige Stelle gefunden geht’s gleich weiter; mit Objektivwahl, Bild einrichten, Licht messen, Filter anbringen, natürlich warten und immer wieder alle Einstellungen doppelt und dreifach kontrollieren. Das Bild letztlich, ist ratz fatz gemacht. Es sei denn man belichtet, wie bei diesem Motiv, sehr lange.

Fuji GX 617. Objektiv: 180mm. Belichtung: 10 Minuten bei Blende 22

Tom Körber - April Angle - Kiel. Schleuse, Nord-Ostsee-Kanal

Kiel im April – Dieses Motiv fällt bei mir unter die Kategorie „drive by“, wobei es bei den beiden verschwommenen Schiffen bei der Einfahrt in die Schleuse eher „wash by“ heißen sollte. Eigentlich gar nicht eingeplant, sondern im Vorbeifahren entdeckt und aufgenommen – nicht die schlechteste Art und Weise zu Fotografieren. Die Nebelwand war schon dabei sich aufzulösen als ich auf dem Weg nach Falkenstein war. Bis ich allerdings gewendet hatte, über die Brücke zurück fuhr und nochmals wendete verging –für meinen Geschmack- zuviel Zeit. Gerade noch rechtzeitig hetzte ich vollgepackt mit Rucksack und Stativ zur Brückenmitte, richtete den Ausschnitt ein, maß das Licht und machte diese eine Aufnahme. Danach lichtete sich die Nebelsuppe soweit, dass es kein spannendes Motiv ergab. Normale Schleusenfotos gibt es schließlich zu Hauf.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 10 Sekunden bei Blende 22

Tom Körber - Marvel March - Kiel. Förde im Eis

Kiel im März – Ich weiß, kaum einer mag noch Schnee und Eis sehen, ich bin da vielleicht noch eine Ausnahme. Mir kann es nicht kalt und eisig genug sein. Kein Wunder, wenn ein Motiv wie dieses vor mir liegt. Allein die Eisschollen in der Förde sind schon etwas besonders. In Zusammenarbeit mit klarem Himmel, kalten Temperaturen und –natürlich- der Sonne wird es fotografisch spannend. Anfangs bemerkte ich –ehrlich gesagt- die sich von der Strömungen bewegenden Eisschollen gar nicht. Erst nach einigen Minuten. Besser spät als gar nicht oder „Zeit nehmen fürs Foto“. Was tun, um die Bewegung darzustellen? Zu lange belichten bedeutet, dass das Schiff im Hintergrund extrem unscharf würde. In diesem Fall: aufs Gefühl verlassen; unter Zuhilfenahme eines Polfilters und des 0,3 ND Grauverlaufsfilters. Passt. Pathetisch ausgedrückt könnte man sagen, die Strömung schwämmt den Winter davon…

Fuji GX 617. Objektiv: 180mm. Belichtung: 0,5 Sekunden bei Blende 22.

Tom Körber - Fabulous February - Angler vor Kiels Skyline

Kiel im Februar – Wie sagt man so schön: Wassersport ist Motorsport. Ob das auch für Angler gilt? Als ich im Halbdunkel durch das alte Marinearsenal an den kleinen Strand stolperte, blickte ich direkt ins gleißendes Sonnenlicht aus dem zu meiner Verwunderung eine Stimme meinen Namen rief. Sören hatte ich hier nun als allerletzten Menschen erwartet, obwohl seines Zeichens Angler und immer auf der Suche nach dem perfekten Biss. Vielleicht ist das ähnlich wie beim Fotografieren: kalte Temperaturen und klare Luft bringen die besten Ergebnisse. So standen wir stundenlang einträchtig nebeneinander, jeder in seinem Element. Von Kälte kaum eine Spur, eher von direktem Gegenlicht, das gebändigt werden musste. Am Besten mit einer Kombination aus 0,3 und 0,6 ND Grauverlaufsfilter.

Fuji GX 617. Objektiv: 90mm. Belichtung: 15 Sekunden bei Blende 8

Tom Körber - January Joker - Forstbaumschule Kiel

Kiel im Januar – Ich gebe es zu. Das Bild nahm ich nicht im vergangenen Januar auf, sondern im März und dann auch noch ein Jahr früher. An sich nicht besonders, allerdings lag 2008 extrem wenig Schnee. Wenn ich behaupten würde, man könne die Tage an einer Hand abzählen, wäre es sicherlich schon übertrieben. An diesem Morgen blieb der Schnee immerhin bis ca. 9:30 Uhr liegen. Wenig Zeit also, um winterliche Motive zu finden. Nachdem ich vorher am Kleinen Kiel war, düste ich noch schnell in die Forstbaumschule. Wald ist bei Schnee immer eine gute Alternative –vor allem wenn es schnell gehen muss. Dort liegt er länger als auf den Straßen. Fast könnte man meinen den Weihnachtsmann gäbe es doch. Ein rotes Etwas verschwindet im Nichts. Es bewahrheitet sich einmal mehr: Rot ist die wichtigste Farbe innerhalb einer Aufnahme. Diesmal: Keine Filter, kein Nichts. Selbst kein Weihnachtsmann. Nur eine Dame die mit ihrem Hund ein paar Stunden Schnee genoss. Zeit für einen warmen Kaffee für den frierenden Fotografen.

Fuji GX 617. Objektiv: 90mm. Belichtung: 1 Sekunde bei Blende 32.

Tom Körber - December Delight - Dänische Straße

Kiel im Dezember – Ein typisches Weihnachtsmotiv findet sich in Kiel ebenso schwierig wie Sternschnuppen am Heiligen Abend. Keine klirrende Kälte, kein Schnee, dafür viel Nieselregen. Also nix mit bajuwarisch-traditionellen, blau-weißen Klischeefarben – mit Glück ein aufgelockerter Himmel wie hier in der Dänischen Straße. Eine weihnachtliche Ausnahme, obwohl die Bäume nicht geschmückt sind. Lichterketten allerdings vermitteln die passende Jahreszeit. Etwas romantischer wird die Aufnahme durch das aus dem Bild fahrenden Auto, das mitten in der Belichtung los fuhr (planen kann man so etwas kaum). Auf der Bank am Baum auf der rechten Bildseite sieht man noch zwei Menschen sitzen die durch längere Belichtungszeit zu Schatten mutieren. Die restlichen Fußgänger sind nicht mehr zu sehen – Bewegung macht unsichtbar. Um die Helligkeitsunterschiede im Himmel und der Straße auszugleichen benutzte ich einen Grauverlauffilter.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Belichtung: 2 Minuten bei Blende 22.

Tom Körber - November Note - Kiel. Steiküste im Sturm

Kiel im November – Für diese Aufnahme bin ich mehrmals nach Schilksee gefahren, denn zum einen muss die Sonne an der richtigen Stelle stehen und zum anderen muss der Wind muss stark genug sein, damit das Wasser in seiner Bewegung verwischt dargestellt wird. Auch dürfen keine Wolkenschatten einzelne Bildbereiche abdunkeln. Starker Wind hat aber den Nachteil, dass er, gerade bei langen Belichtungszeiten, auch auf die Kamera trifft. Unter Umständen kann es zu Verwacklungsunschärfen führen, die die Aufnahme zerstören würden. So musste ich mit meinem Körper die Kamera schützen. Da mir das Licht nicht weich genug war, benutzte ich einen mittleren Warm-Up Filter. Damit ich auch bei Tageslicht eine genügend lange Belichtungszeit erreiche, musste ich zusätzlich einen dreifachen Graufilter und einen Polfilter einsetzen. So konnte ich mit Blende 22 arbeiten, um auch im vorderen Bildteil genügend Schärfenteife zu erlangen.

Fuji GX 617. Objektiv: 180mm. Belichtung: 3 Sekunden bei Blende 22.

Tom Körber - October Opinion - Kiel. Gaarden Volkspark

Kiel im Oktober – Am Volkspark in Gaarden fährt man schnell vorbei. Dabei gäbe es hier viel zu entdecken. Man muss nur hinschauen. Im Oktober, wenn sich die Blätter Rot färben (allerdings nur, wenn es genug Regen gab) und ein kühler Wind durch die noch warme Luft streift, bemühte ich mich -trotz weniger Menschen- Bewegung ins Bild zu bekommen. Da kamen die sich im Wind bewegenden Blätter, die dem Bild einen Rahmen verleihen, gerade recht. So strahlt die Aufnahme Bewegung und Ruhe gleichermaßen aus.

Fuji GX 617. Objektiv: 105mm. Blende: 22. Belichtung: 1/4 Sekunden.